Warum 62 % Glasfaserabdeckung noch kein flächendeckendes FTTH in Deutschland bedeuten: Die Lücke zwischen Homes Passed, Homes Connected und aktiven Anschlüssen

Homes Passed Deutschland

Der Glasfaserausbau in Deutschland hat inzwischen ein Tempo erreicht, bei dem eine Kennzahl den Eindruck einer beinahe flächendeckenden Verfügbarkeit erwecken kann: Mitte 2026 lag die Quote bei 62,0 %. In der BREKO Marktanalyse 2026 bezieht sich dieser Wert jedoch auf Homes Passed – also auf 28,7 Millionen Wohn- und Geschäftsstandorte, bei denen die Glasfaserinfrastruktur bis in die unmittelbare Nähe der Grundstücksgrenze reicht. Das bedeutet nicht, dass 28,7 Millionen Gebäude oder Wohnungen bereits einen Glasfaseranschluss bis ins Haus nutzen können. Zum selben Berichtszeitpunkt lag die Homes-Connected-Quote bei 29,8 %, was 13,8 Millionen Standorten entsprach, während 7,9 Millionen Glasfaseranschlüsse tatsächlich aktiv genutzt wurden. Genau diese Differenz ist für die Beurteilung des deutschen Glasfaserausbaus entscheidend. Ein Glasfaserkabel in der Straße, ein fertiggestellter Hausanschluss, Glasfaser innerhalb einer Wohnung und ein gebuchter Internetanschluss sind vier unterschiedliche Ausbaustufen. Deutschland erreicht inzwischen deutlich mehr Straßen und Grundstücke, doch der Übergang zu vollständig angeschlossenen und aktiv genutzten FTTH-Leitungen verläuft langsamer.

Was die 62 % Glasfaserabdeckung in Deutschland tatsächlich messen

Die Quote von 62,0 % stammt aus der BREKO Marktanalyse 2026, die von IW Consult durchgeführt wurde und den Marktstand zum 30. Juni 2026 abbildet. Sie entspricht 28,7 Millionen Wohn- und Geschäftsstandorten in der Kategorie Homes Passed und bedeutet einen Anstieg um 9,2 Prozentpunkte innerhalb eines Jahres. Das ist ein erheblicher Fortschritt beim physischen Netzausbau und zeigt, dass Glasfaser heute wesentlich mehr deutsche Straßen erreicht als noch wenige Jahre zuvor. Dieselbe Untersuchung weist allerdings lediglich eine Anschlussquote von 29,8 % aus. Das bedeutet, dass der Ausbau dort wesentlich schneller vorankommt, wo Glasfaser bis in die Nähe eines Grundstücks verlegt wird, als bei der anschließenden Verlegung bis zum Gebäude. Beide Werte unter demselben Begriff „Abdeckung“ zusammenzufassen, kann deshalb ein falsches Bild davon vermitteln, wie viele Anschlüsse tatsächlich kurzfristig von Haushalten genutzt werden können.

Auch die Bundesnetzagentur unterscheidet diese Ausbaustufen ausdrücklich. Nach ihrer Definition kann Homes Passed bereits einen Standort umfassen, bei dem sich ein für den Glasfaserausbau vorgesehenes Leerrohr oder Glasfaserkabel in der Nähe der Grundstücksgrenze befindet und ein aktiver Gebäudeanschluss zu üblichen wirtschaftlichen Bedingungen innerhalb relativ kurzer Zeit hergestellt werden könnte. Dafür können dennoch zusätzliche Investitionen erforderlich sein. Homes Connected geht einen Schritt weiter: Die Glasfaser wurde tatsächlich bis zum Endkundenstandort beziehungsweise Gebäude geführt, auch wenn der Anschluss noch nicht aktiv genutzt wird. Homes Activated bedeutet schließlich, dass die Leitung tatsächlich in Betrieb ist. Diese Begriffe sind keine nebensächlichen statistischen Unterschiede. Sie beschreiben verschiedene Arbeitsumfänge, Kosten und Grade der Anschlussbereitschaft. Eine Straße kann deshalb in einer Ausbaustatistik bereits sehr gut versorgt erscheinen, obwohl zahlreiche Gebäude entlang dieser Straße noch keinen fertigen Glasfaseranschluss besitzen.

Hinzu kommt eine weitere wichtige Unterscheidung: FTTH ist nicht mit jedem gemeldeten FTTB/H-Anschluss gleichzusetzen. Bei FTTH reicht die Glasfaser bis in die einzelne Wohnung oder Nutzungseinheit, während sie bei FTTB am Gebäude endet und der letzte Abschnitt innerhalb des Hauses über eine andere Verkabelung geführt werden kann. Die Bundesnetzagentur fasst beide Varianten bei bestimmten Angaben zur Glasfasernutzung zusammen. Eine Zahl für „aktive Glasfaseranschlüsse“ sollte daher nicht automatisch als Zahl aktiver FTTH-Anschlüsse verstanden werden. Auch der Bericht der Europäischen Kommission zur Digitalen Dekade 2026 zeigt den größeren Rückstand. Auf Grundlage der Referenzdaten für 2025 und einer eigenen FTTP-Methodik wurde für Deutschland eine FTTP-Abdeckung von 44,0 % ermittelt, gegenüber 74,1 % im EU-Durchschnitt. Diese Zahl lässt sich aufgrund des unterschiedlichen Stichtags, Umfangs und Berechnungsverfahrens nicht direkt mit den 62 % Homes Passed von BREKO vergleichen. Beide Quellen zeigen jedoch, dass Deutschland noch deutlich von einer flächendeckenden Glasfaserversorgung bis zu den Räumlichkeiten entfernt ist.

Homes Passed, Homes Connected und Homes Activated sind drei verschiedene Stufen

Am einfachsten lässt sich der Markt als Trichter verstehen. Homes Passed bildet die breiteste Stufe: Glasfaser ist so weit in das jeweilige Gebiet vorgedrungen, dass ein Grundstück grundsätzlich angeschlossen werden kann. Homes Connected ist die nächste, deutlich kleinere Stufe: Die physische Leitung wurde tatsächlich bis zum Gebäude oder Standort geführt. Homes Activated ist nochmals enger gefasst: Ein Kunde hat einen Tarif gebucht und der Anschluss überträgt tatsächlich Daten. Nach den BREKO-Zahlen für Mitte 2026 standen diesen drei Stufen 28,7 Millionen Homes Passed, 13,8 Millionen Homes Connected und 7,9 Millionen aktive Glasfaseranschlüsse gegenüber. Die ausgewiesene Take-up-Rate lag bei rund 27 %. Damit wird deutlich, warum die 62-%-Angabe nicht als Maß für die tatsächliche Glasfasernutzung verstanden werden kann. Sie beschreibt in erster Linie, wie weit der Bau des Netzes vorgedrungen ist, während die kleineren Zahlen den abgeschlossenen Zugang und die reale Nutzung widerspiegeln.

Anders ausgedrückt hatten Mitte 2026 nur rund 48 % der in den BREKO-Daten als Homes Passed erfassten Standorte zugleich den Status Homes Connected erreicht. Von den bereits angeschlossenen Standorten verfügten wiederum ungefähr 57 % über einen aktiven Glasfaserdienst. Diese Verhältniszahlen sind keine eigenständigen offiziellen Ausbauziele, veranschaulichen aber, an welchen Stellen zwischen den einzelnen Stufen die größten Differenzen entstehen. Die erste Lücke ist baulicher Natur: Glasfaser liegt in unmittelbarer Nähe, wurde aber noch nicht ins Gebäude geführt. Die zweite Lücke ist vor allem kommerziell: Der physische Anschluss ist vorhanden, wird jedoch noch nicht aktiv genutzt. Ein Land kann deshalb einen deutlichen jährlichen Zuwachs bei Homes Passed verzeichnen, ohne dass die Zahl aktiver Glasfaserkunden im selben Tempo steigt. Genau dieses Muster zeigen die deutschen Zahlen für 2026: Die Netzreichweite nahm schnell zu, die Umwandlung dieser Reichweite in fertige und genutzte Anschlüsse verlief langsamer.

Die offiziellen Daten der Bundesnetzagentur für 2025 verdeutlichen zusätzlich, was unter „aktiver Glasfaser“ tatsächlich verstanden wird. Ende 2025 gab es in Deutschland 6,4 Millionen aktive FTTB/H-Anschlüsse, nach 5,3 Millionen im Vorjahr. Davon entfielen rund 5,2 Millionen auf FTTH und etwa 1,2 Millionen auf FTTB. Glasfaser stellte 16,5 % aller aktiven Festnetz-Breitbandanschlüsse, während DSL weiterhin einen Anteil von 58,5 % erreichte. In der Kategorie Homes Connected erfasste die Bundesnetzagentur außerdem 7,1 Millionen FTTH-Standorte und 3,3 Millionen FTTB-Standorte, einschließlich aktiver und noch nicht aktivierter Leitungen. Die spätere BREKO-Zahl von 7,9 Millionen aktiven Glasfaseranschlüssen Mitte 2026 zeigt, dass sich das Wachstum fortgesetzt hat. Sie sollte jedoch weiterhin als kombinierte Glasfaserkennzahl verstanden werden und nicht als Beleg dafür, dass bereits 7,9 Millionen deutsche Haushalte über reines FTTH bis in die einzelne Wohnung verfügen.

Warum die Lücke zwischen Straße und Wohnung so groß bleibt

Die letzten Meter gehören häufig zu den teuersten Abschnitten eines Glasfaserausbaus. In der BREKO Marktanalyse 2026 werden die durchschnittlichen Kosten für einen Hausanschluss von der Straße bis ins Gebäude mit etwa 1.950 Euro angegeben. Netzbetreiber können Skaleneffekte nutzen, wenn sie Leerrohre und Glasfaser entlang einer gesamten Straße verlegen. Anschließend benötigt jedoch jedes einzelne Grundstück einen eigenen Anschluss, weitere Bauarbeiten, Zugang zum privaten Grundstück oder Gebäude und häufig eine Abstimmung mit dem Eigentümer. Dadurch verändert sich die Wirtschaftlichkeit erheblich. BREKO berichtet, dass Netzbetreiber Gebäude zunehmend seltener auf eigene Kosten vollständig anschließen, wenn noch kein Kundenvertrag besteht, weil der kostenintensive letzte Abschnitt ansonsten möglicherweise jahrelang ungenutzt bleibt. Das hilft zu erklären, warum Homes Passed innerhalb eines Jahres um mehr als neun Prozentpunkte zulegte, während Homes Connected lediglich um 1,2 Millionen Standorte stieg. Im vorherigen vergleichbaren Zeitraum hatte der Zuwachs noch 2,1 Millionen betragen.

Mehrfamilienhäuser bringen eine zusätzliche Schwierigkeit mit sich, denn Glasfaser bis in den Keller bedeutet noch nicht automatisch FTTH bis in jede Wohnung. In einem Gebäude mit mehreren Wohneinheiten kann ein echter FTTH-Anschluss eine zusätzliche Glasfaserverkabelung vom zentralen Gebäudeeintritt bis zu den einzelnen Wohnungen erfordern. Das Gigabitbüro des Bundes beschreibt diesen Abschnitt innerhalb des Gebäudes als eigenständigen Teil der Erschließung: Die Glasfaser führt vom Hausübergabepunkt über einen Gebäudeverteiler bis zur Anschlussdose des Endkunden. Deutschland und die EU haben begonnen, diesen Engpass stärker zu berücksichtigen. Seit dem 12. Februar 2026 müssen Neubauten und Gebäude, bei denen umfangreiche genehmigungspflichtige Renovierungen durchgeführt werden, nach den Vorgaben des Gigabit Infrastructure Act grundsätzlich mit glasfasergeeigneter passiver Infrastruktur sowie gebäudeinterner Glasfaserverkabelung ausgestattet werden. Für zukünftige Gebäude erleichtert das den Anschluss erheblich, beseitigt aber nicht den Aufwand, der in Millionen bereits bestehender Gebäude weiterhin notwendig ist.

Auch die Struktur des deutschen Telekommunikationsmarktes beeinflusst, wie schnell ein vorhandenes Netz zu einem aktiven Anschluss wird. Unterschiedliche Betreiber können in derselben Region eigene Netze errichten, während Internetanbieter ihre Tarife nicht zwangsläufig über jedes Glasfasernetz verkaufen. Open-Access-Vereinbarungen können die Auslastung verbessern, weil mehrere Anbieter bestehende Infrastruktur nutzen können, statt ausschließlich auf eigene Leitungen angewiesen zu sein. BREKO berichtete 2026, dass 88 % der befragten Netzbetreiber bereits kommerzielle Kooperationen nutzten, hauptsächlich über Wholesale-Vereinbarungen. Dennoch garantiert die reine Netzreichweite noch keine breite Auswahl an Tarifen an jeder Adresse. Für Endkunden ist deshalb nicht nur entscheidend, ob Glasfaser am Grundstück vorbeiführt, sondern auch, ob der Gebäudeanschluss fertiggestellt wurde, ein passender Tarif bestellt werden kann und die Verkabelung innerhalb des Gebäudes für FTTH vorbereitet ist.

Die Nachfrage wächst, doch vorhandenes Breitband reicht vielen Haushalten noch aus

Die langsame Umwandlung von verfügbarer Glasfaser in aktive Anschlüsse ist in Deutschland nicht ausschließlich ein Bauproblem. Sie hängt ebenso mit den Entscheidungen der Kunden zusammen. DSL ist weiterhin stark verbreitet, während Kabelnetze in vielen Regionen eine weitere schnelle Alternative bieten. Nach Angaben der Bundesnetzagentur entfielen Ende 2025 noch 58,5 % der aktiven Festnetz-Breitbandanschlüsse auf DSL, während FTTB/H 16,5 % erreichte. Diese große bestehende Kundenbasis verringert den unmittelbaren Wechselbedarf, insbesondere bei Haushalten, deren gegenwärtiger Anschluss stabil funktioniert und genügend Geschwindigkeit für Streaming, Homeoffice und alltägliche Internetnutzung bietet. Glasfaser bietet deutlich größere Leistungsreserven und bildet langfristig die Richtung für Festnetze. Viele Haushalte entscheiden jedoch danach, was sie heute tatsächlich benötigen, und nicht danach, welche maximale Kapazität ein Anschluss möglicherweise in einigen Jahren bereitstellen könnte.

Die Studie Broadband Consumer Trends 2026 von Deloitte macht diese Zurückhaltung konkret messbar. Für die Untersuchung wurden 2.000 Personen in Deutschland befragt. 62 % stimmten der Aussage zu, dass sie einen gut funktionierenden Festnetzanschluss nicht wechseln möchten. Selbst Nutzer älterer Zugangstechnologien waren überwiegend zufrieden: 81 % der Breitbandkunden gaben an, mit ihrem Anschluss eher oder sehr zufrieden zu sein. Bei Glasfasernutzern lag die Zufriedenheit bei 87 %. Daraus ergibt sich ein Markt, in dem Kunden nach einem Glasfaserwechsel meist mit dem Dienst zufrieden sind, während ein großer Teil der Nutzer anderer Zugangstechnologien keinen unmittelbaren Grund für einen Wechsel erkennt. Das erklärt mit, warum die Infrastruktur deutlich schneller wachsen kann als die Zahl aktivierter Anschlüsse.

Auch der Preis ist ein praktischer Faktor. Eine Verivox-Umfrage aus dem Jahr 2026 ergab, dass 65 % der aktuellen DSL- und Kabelkunden einen günstigen Preis oder ein attraktives Angebot als Faktor nannten, der sie zu einem Wechsel auf Glasfaser bewegen könnte. Eine höhere Geschwindigkeit und eine bessere Stabilität des Anschlusses wurden jeweils von 52 % genannt. Das zeigt, dass reine Verfügbarkeit nicht genügt: Ein Glasfaserangebot muss auch gegenüber einem bestehenden Vertrag überzeugen, der die Anforderungen des jeweiligen Haushalts möglicherweise bereits erfüllt. Zusätzlich kann die Vertragslaufzeit einen Wechsel verzögern, weil viele Kunden erst das Ende eines bestehenden Vertrags abwarten, bevor sie Anbieter oder Zugangstechnologie wechseln. Die Differenz zwischen Verfügbarkeit und Nachfrage bedeutet deshalb nicht, dass Glasfaser für Verbraucher keinen Mehrwert bietet. Sie zeigt vielmehr, dass ein technisch leistungsfähigerer Anschluss dennoch bei Preis, Komfort, Zeitpunkt und tatsächlichem Bedarf überzeugen muss, bevor aus Homes Connected schließlich Homes Activated wird.

Homes Passed Deutschland

Was sich ändern muss, damit Glasfaserreichweite zu einer breiten FTTH-Nutzung führt

Eine der wichtigsten strukturellen Veränderungen wird der schrittweise Abschied vom Kupfernetz sein. Die Bundesnetzagentur geht davon aus, dass der langfristige Bedarf im deutschen Festnetz letztlich durch reine Glasfasernetze gedeckt werden muss und der parallele Weiterbetrieb der Kupferinfrastruktur zunehmend unwirtschaftlich wird. Im Jahr 2026 gibt es allerdings keinen einheitlichen bundesweiten Termin, an dem das deutsche DSL-Netz einfach abgeschaltet wird. Die Bundesnetzagentur arbeitet an einem Rahmen für die Migration von Kupfer zu Glasfaser, während der Zeitpunkt erster lokaler Abschaltungen von Regulierung, Marktreife und dem Schutz der Verbraucher abhängt. Für die tatsächliche Nutzung von Glasfaser ist das relevant, weil der parallele Betrieb von Kupfer- und Glasfasernetzen Kunden erlaubt, ihren DSL-Anschluss weiterzuverwenden, selbst wenn Glasfaser bereits in unmittelbarer Nähe verfügbar ist. Die Migration wird sich erst dann deutlich beschleunigen, wenn die lokale Glasfaserversorgung ausreichend weit fortgeschritten ist und Nutzer einen klaren und praktikablen Wechsel vom alten zum neuen Netz erhalten.

Eine bessere Nutzung der bereits gebauten Glasfaser ist ebenso wichtig wie die Verlegung zusätzlicher Leitungen. Das wirtschaftliche Problem lässt sich anhand der Zahlen von 2026 unmittelbar erkennen: Netzbetreiber haben Infrastruktur an 28,7 Millionen Standorten vorbeigeführt, aber nur 7,9 Millionen aktive Glasfaseranschlüsse erwirtschaften tatsächlich Kundenerlöse. Dadurch wird die Aktivierungsquote auch für weitere Investitionsentscheidungen wichtig. BREKO stellte fest, dass 77 % der Netzbetreiber zu höheren Investitionen bereit wären, wenn Deutschland einen verbindlichen und regelbasierten Fahrplan für den Übergang von Kupfer zu Glasfaser einführen würde. 52 % gaben dagegen an, ihre weiteren Ausbauaktivitäten ohne einen solchen Rahmen reduzieren zu wollen. Diese Werte stammen aus einer Branchenstudie und bilden die Aussagen der befragten Unternehmen ab; sie sind daher nicht als unabhängige Prognose zu verstehen. Trotzdem zeigen sie, warum sich die nächste Phase der deutschen Glasfaserpolitik zunehmend darum drehen wird, bestehende Netzreichweite tatsächlich in Anschlüsse und Kunden umzuwandeln, statt ausschließlich steigende Homes-Passed-Werte hervorzuheben.

Bundesweite Durchschnittswerte verdecken außerdem erhebliche regionale Unterschiede. Mitte 2026 wies BREKO eine Homes-Passed-Quote von 94,0 % in Schleswig-Holstein, 92,5 % in Hamburg und 88,9 % in Bremen aus. Bei der Anschlussquote ergab sich eine andere Rangfolge: Schleswig-Holstein führte mit 66,7 %, gefolgt von Hamburg mit 50,0 % und Brandenburg mit 48,8 %. Das verdeutlicht, dass zwei Regionen eine ähnlich hohe Glasfaserreichweite auf Straßenebene erreichen können, aber dennoch sehr unterschiedliche Zahlen fertiggestellter Gebäudeanschlüsse aufweisen. Gebäudestruktur, frühere Investitionen, kommunale Abstimmung, Strategien der Netzbetreiber und die lokale Nachfrage beeinflussen den Übergang von Reichweite zu tatsächlicher Nutzung. Für Haushalte und Unternehmen ist deshalb eine Verfügbarkeitsprüfung auf Adress- oder zumindest lokaler Ebene wesentlich aussagekräftiger als die bundesweite 62-%-Quote, wenn es darum geht, ob FTTH tatsächlich bestellt und installiert werden kann.

Wie Deutschlands Glasfaserzahlen ab 2026 richtig gelesen werden sollten

Die erste Regel besteht darin, bei jeder Prozentangabe auf die zugrunde liegende Definition zu achten. Homes Passed beschreibt die Netzreichweite in unmittelbarer Nähe eines Grundstücks. Homes Connected bezeichnet den fertiggestellten physischen Zugang zum jeweiligen Standort. Homes Activated steht für einen Anschluss, der tatsächlich genutzt wird. Anschließend ist noch eine vierte Frage notwendig: Handelt es sich um FTTH, bei dem die Glasfaser bis in die einzelne Wohnung reicht, oder um FTTB, bei dem sie am Gebäude endet? Ebenso wichtig ist der jeweilige Berichtszeitraum. Die BREKO-Zahl von 62 % bezieht sich auf Mitte 2026, während die von der Europäischen Kommission ausgewiesenen 44,0 % FTTP-Abdeckung in Deutschland auf Referenzdaten für 2025 und einer anderen statistischen Methodik beruhen. Beide Werte können gleichzeitig korrekt sein. Missverständlich wird es erst, wenn Zahlen aus unterschiedlichen Zeiträumen und mit verschiedenen Definitionen unmittelbar nebeneinandergestellt werden, als würden sie exakt dasselbe messen.

Die zweite Regel lautet, Ausbaufortschritt und Nutzungserfolg getrennt zu betrachten. Deutschland kann zu Recht auf einen starken jüngsten Fortschritt beim Tief- und Leitungsbau verweisen: Die Homes-Passed-Quote stieg innerhalb eines Jahres um 9,2 Prozentpunkte. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass ein ähnlich großer Anteil der Haushalte bereits über installiertes und aktives FTTH verfügt. Mitte 2026 lag die Zahl von 13,8 Millionen Homes Connected bei weniger als der Hälfte der 28,7 Millionen Homes Passed, während die 7,9 Millionen aktiven Anschlüsse nochmals deutlich darunter lagen. In den kommenden Jahren werden deshalb vor allem die Entwicklung der Homes Connected, die Zahl aktiver reiner FTTH-Anschlüsse statt ausschließlich kombinierter FTTB/H-Werte, die Take-up-Rate und das tatsächliche Tempo der Migration von DSL zu Glasfaser besonders aussagekräftig sein. An diesen Kennzahlen lässt sich erkennen, ob der physische Ausbau tatsächlich in alltägliche Nutzung übergeht.

Die 62-%-Angabe ist damit durchaus relevant, ihre Aussagekraft ist jedoch enger begrenzt, als es eine einfache Schlagzeile vermuten lässt. Sie zeigt, dass Deutschland Glasfaser bereits in die Nähe einer Mehrheit der Wohn- und Geschäftsstandorte gebracht hat – ein notwendiger Schritt auf dem Weg zu einem glasfaserbasierten Festnetz. Sie bedeutet nicht, dass die Mehrheit der Menschen bereits Glasfaser bis ins Gebäude besitzt, und erst recht nicht, dass die Mehrheit über FTTH bis zur einzelnen Wohnung oder einen aktiven Glasfasertarif verfügt. Das realistischere Bild für 2026 ist deshalb ein dreistufiger Übergang: ein schneller Ausbau auf Straßenebene, eine erheblich kleinere Zahl fertiggestellter Grundstücks- und Gebäudeanschlüsse und eine nochmals kleinere Gruppe zahlender Nutzer. Deutschlands Glasfaseraufgabe besteht damit nicht mehr nur darin, weitere Leitungen zu bauen. Ebenso wichtig ist es, Hausanschlüsse fertigzustellen, Gebäude bei Bedarf intern zu verkabeln, den Wechsel für Kunden wirtschaftlich attraktiv zu machen und Nutzer von bestehenden Netzen auf die bereits verfügbare Glasfaser zu bringen.

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